Meine Wusels ziehen in einigen Tagen in ihr neues Zuhause,... und eigentlich erschien es mir anfangs als könnte diese schöne Zeit des Wachsens nie ein Ende kriegen. Alle hatten eine sehr glückliche Aufzucht, eine ausgewogene Prägungsphase mit ihren Eltern und Menschen, es hat ihnen an nichts gefehlt und alle vier erscheinen mir als ruhige, ausgeglichene, glückliche Hunde. Während der ganzen Aufzucht habe ich immer wieder neue Reize geboten, den Wusels aber auch über den ganzen Tag hinaus die Möglichkeit geboten zur Ruhe zu finden an der Seite eines Menschen, in den letzten Wochen aber auch allein im Garten oder in der Box. Ruhepausen sind genauso wichtig wie Spielrunden. Sie wurden geliebt und hatten sehr viel Körperkontakt mit allen Menschen der Familie.

Was die Wusels allerdings nicht kennen ist Regen. Heute sind wir gegen 20.00 nochmals in den Garten zum Gassi. Es regnete stark... und erstaunen meinerseits... alle sind schnell wieder ins Haus gehuscht. (das Wetter war sehr trocken in den letzten 2 Monaten) Ich musste über diese Beobachtung erneut erkennen wie neue Reize von jungen Tieren verarbeitet werden. Wiederum wurde mir bewusst wie wichtig neue Sinnesauffassungen sind und dass das schnell zur Überforderung wird.

Wenn die Welpen jetzt zu ihre neuen Familien einziehen, werden sie überflutet sein von neuen Reizen, visuell, olfaktorisch, akustisch... alles ist neu und der Schutz von mir als Bezugsperson oder der Elterntiere fehlt. Eine stressige angsterfüllte Zeit kommt auf die Wusels zu. Das wird sich legen, weil sie anpassungsfähig und kontaktfreudig sind, weil sie viele reizempfindliche Erfahrungen gemacht haben. Aber bitte beachten sie folgende wichtige Einführungen ins neue Zuhause:

  • Sie kommen zu Hause an. Setzen Sie den Welpen nicht direkt auf den Boden damit er das Haus selbst erkunden kann. Tragen Sie den Welpen auf dem Arm und zeigen ihm seine neue Umgebung.
  • Geben Sie dem Welpen eine Möglichkeit sich zurück zu ziehen, eine kleine Box mit Überdachung bietet Schutz, er kennt es aus seiner Welpenstube.
  • Ihr Garten bietet neue Erkundungsmöglichkeiten. Dieser Auslauf genügt dem kleinen Wusel während der ersten Woche. Sie brauchen keine Spaziergänge außerhalb des Hauses zu machen. Im Garten gibt es genug neue Reize die erstmals verarbeitet werden sollen. Erkunden Sie den Garten zusammen mit ihrem Welpen. Auch im Wolfsrudel wird der Ausgang aus der Höhle ganz progressiv entdeckt. Es ist nicht so, dass die Welpen hinausstürmen um schnell neue Erfahrungen zu machen. Das Muttertier markiert den Außenbereich mit Kot und Urin und zeigt so den Jungtieren so ihre Grenzen.
  • Nun kommt aber der Welpe in eine menschliche Wohnung- und kein Geruch verrät ihm wo er sich lösen soll. Bringen Sie ihn am Anfang alle zwei Stunden nach draußen. Tragen Sie ihn auf dem Arm, damit er sein Geschäft nicht schon unterwegs erledigt. Ein Welpe muss nach jedem Schläfchen, nach dem Fressen, nach oder während dem Spielen . Nachts haben die Welpen es öfters geschafft von 23.00-5.00 Uhr morgens. In der Welpenstube haben sie sich meistens auf den Papiermatten gelöst. Es kann sein dass die Kleinen in ihrem neuen Zuhause erstmals die Orientierung verlieren und vor lauter Aufregung auch mal im Haus machen. Schimpfen Sie nicht, sondern wischen es weg mit Essig und gehen sofort nach draußen.
  • Auch die Hundemama lässt ihre Welpen immer wieder mal alleine. Fangen Sie bereits am zweiten Tag mit dem Training an. Sie müssen aus dem Blickfeld des Welpen verschwinden, z.B. in das Nebenzimmer mit geöffneter Tür. Bevor er ihre Abwesenheit realisiert und negativ bewerten kann, kommen Sie wieder zurück. Das wird dann minutenlang gesteigert bis Sie irgendwann die Wohnung verlassen. Je weniger Aufsehen Sie um Ihr Kommen und Gehen machen, desto natürlicher wird Ihr Welpe die Situation empfinden. Also keine Begrüßungszeremonien zelebrieren. Falls der Kleine jault: kurz auf eine Pause warten und erst dann zurückkehren, wenn er still geworden ist, sonst glaubt er das Jaulen hätte Sie zurückgebracht.
  • Zu jeder Mahlzeit wurden die Welpen mit der ACME-Pfeife gerufen.In der Sozialisierungsphase, zwischen der 8. und 16. Woche, können Sie Ihren Welpen ähnlich perfekt konditionieren. Bei Ihnen angekommen, darf ausgiebig gekuschelt und   mit Futter gelobt werden. Dem Welpen muss sich ins Gehirn einbrennen: Wenn ich komme passiert etwas Wunderbares… Bevor das Fressen dann angeboten wird, soll der Kleine sich auch beruhigen und nicht wie verrückt losspringen. Er kennt „Sitz“ und soll den Napf auch erst bekommen, wenn alle 4 Pfoten am Boden sind. Geduldig sein, ruhig bleiben... es klappt. Genauso sollen Sie das Anspringen vermeiden und für mich gilt dieser Spruch: “ 4 Pfoten auf dem Boden, dann erst loben“
  • Auch sollten Sie in den ersten Tagen vermeiden, dass gleich die halbe Nachbarschaft zu Besuch kommt. Der kleine Vierbeiner soll sich ja erstmals an ihre Familie gewöhnen und nicht ein Allermannhund werden. Der Kontakt mit fremden Menschen kommt schon von alleine.
  • Die ersten Spaziergänge sollten höchstens 10-15 Minuten dauern. Der Welpe soll an der Schleppleine geführt werden. Nicht dass er riskiert fort zu laufen, aber damit er sich an die Leine gewöhnt und diese als Schutz erkennt, nicht aber als Einschränkung. So gewöhnt er sich sehr schnell daran, dass er sich in einem limitierten Abstand von Ihnen aufhalten soll. Lassen Sie den Welpen mal freilaufen, dann rufen Sie ihn mit der Pfeife zurück. Belohnung durch Leckerlies, aber auch über ihre Mimik und Gestik zeigen dem Hund, dass er es richtig gemacht hat.
  • Passen Sie auf bei Spaziergängen auf die Begegnungen mit anderen Hunden. Den Welpenschutz gibt es nicht! Schützen Sie den Welpen und nehmen ihn auf den Arm.

 

Ich wünsche all meinen Wusels ein wundervolles erfülltes Leben. Auch wenn ich diese Wörter mit Tränen in den Augen schreibe, bin ich mir sicher, dass ihr alle wunderbare Welpeneltern seid und hoffe in nächster Zeit ab und zu mal was zu hören und Bilder zu bekommen.