Sinn und Unsinn der Hundezucht!

Im FCI gibt es zirka 400 Rassen und eigentlich müsste jeder zukünftige Hundebesitzer die passende Rasse finden. Warum geht man dann auf den Weg und „erfindet“ einen Hybridhund durch Verpaarungen von 2 unterschiedlichen Stammrassen?

Zucht war und ist bis heute immer eine Weiterentwicklung gewesen. Zucht ist kreativ und so zu sagen alle heutigen Rassen sind aus der Verpaarung von 2 bis 3 Stammrassen entstanden. Zucht bemüht sich Rassen zu verbessern, Rassen neu zu beleben, Zucht ist lebendig und warum sollte das auf einmal aufhören?

Beispiele für gezielte Kreuzungen, die heute anerkannt sind:

Eurasier aus: zwei nordischen Rassen und Chow Chow
Pudelpointer aus: Pudel und Pointer
Flat coated Retriever aus : Labrador, Setter und Collie
Golden-Retriever aus: Labrador, Setter und Kuvac
Eurasier aus: zwei nordischen Rassen und Chow Chow
Pudelpointer aus: Pudel und Pointer

Im 17 Jh. hießen alle wasserfreundlichen bärtigen Hunde Barbet. Erst viel später trennte man den Pudel und den Griffon als eigene Rassen heraus. Da solche Hunde schon sehr früh dokumentiert wurden, gilt der französische Wasserhund als Vorfahre aller europäischen Wasserhunde, einschließlich des Pudels. Zur Wiederbelebung der beinahe ausgestorbenen Rasse wurden Pudel eingekreuzt, so dass es heute unterschiedliche Typen gibt in dieser anerkannten Rasse.

 

Das sicherlich größte Problem der Rasse  Mops ist, neben einer ganzen Menge anderer Gesundheitsbeeinträchtigungen, seine Rundköpfigkeit, die zu Problemen der oberen Atemwege führen kann. Diese Problematik wird zusammenfassend als brachycephales Syndrom bezeichnet. Der Hund leidet unter Atemnot und es kann in schlimmen Fällen auch zum Kollaps kommen. Viele Züchter dieser Rasse wollten diesem Leiden ein Ende setzen und beschlossen den „Retromops“ wieder zu beleben. Leider war es nicht nicht möglich aus den bestehenden Tiere neue atmungsfähige Hunde zu züchten.

Das züchterische Einbringen gesunder Tiere, einer passenden Fremdrasse, führt den Mops weg vom den züchterischen Extremen der letzten Jahre und zurück zum genetisch reicheren und phänotypisch gemäßigterem Mops, der damit wieder Hund sein kann und darf.

 

Zucht kann aber auch das Risiko beinhalten, Tiere zu züchten die den menschlichen Ansprüchen entsprechen, nicht aber dem Wohl des Tieres dienen. Hier geht es um die leider anerkannte Qualzucht in vielen Rassen,  da die definierte „Schönheit“ in den Augen der Züchter bestimmte äußerlichen Kriterien beinhalten.  Als Beispiel gilt der Cavalier King Charles wo die großen Augen und die verkürzte Schnauze beliebt sind , weil sie das berühmte „Kindchenschema“ erfüllen – so wirkt auch ein eigentlich ausgewachsener Hund ewig süß wie ein Welpe. Die Folgen von diesen Zuchtzielen mit  einer Verengung des Kopfes ergeben  Hunde mit einer eingequetschtem Gehirnmasse im Schädel und  die Folgen sind ein lebenslanges Leiden an Epilepsien.

 

Viele „veraltete“ Rassen wurden neu aufgebaut. Da der Genpool so eng war, dass Linien nur über Inzucht gezüchtet werden konnten, kommen wir leider heute zum Resultat dass es etliche Rassen gibt, wo Krankheiten in den Linien bestehen, bedingt durch  diese interfamiliären Verpaarungen. 

Der Hybridhund Doodle (eine Verpaarrung aus Pudel und Retriever) ist zum heutigen Tag eine Vermischung  zweier Rassen. Diese gewollte Zucht ist aktuell aber keine neue „Rasse“. Die Rassenanhänger, insbesondere  viele Großpudel- oder Labradorzüchter verpönen diese Zucht, sprechen von Vermehrern ohne jegliche Zuchtkenntnisse. Sie bedauern dass diese Vermehrungsergebnisse dann mit Versprechungen wie „absolut nicht-haarend“ oder „allergikerfreundlicher Hund“ mit überhöhten Preisen an den Mann gebracht.

Der Labradoodle steht ganz am Anfang. Ich werde es sicherlich nicht  mehr miterleben, dass dieser Hund als eigenständige Rasse anerkannt wird.Und ohne den australian Labradoodle kommt man meines Erachtens nicht an einer Rassenanerkennung vorbei. Zucht braucht viele Generationen um den phänotypischen passenden Hund in einer Rasse zu erzeugen. Wenn Pudel- oder Labradorzüchter sich aufregen über das Vermehren von dem Doodle als Rasse, kann man dies einigermaßen nach vollziehen . Die Doodle-Zucht hat Ausmaße angenommen die leider außer Kontrolle geraten sind. Viele Doodle-Besitzer wollen doch einmal in ihrem Leben mit ihrem, doch so niedlichen und schönen Hund züchten. Der Aufwand, den Hund dann auch gesundheitlich untersuchen zu lassen, ist diesen Hobbyzüchtern dann aber zu groß! Außerdem wird dann von diesen Züchtern argumentiert dass es Unsinn macht Genuntersuchungen zu vollziehen weil es ja keine erkannten festgelegten Erkrankungen in dieser Rasse gibt. Was soll man denn da untersuchen? Viele Vermehrer des Doodles behaupten auch noch ohne jegliche Kenntnisse dass die Doodle-Welpen keine Ahnentafel bekommen können, weil es ja keine anerkannte Rasse ist! So wird dem Käufer  Sand in die Augen gestreut und das Risiko erhöht dass es nicht mehr lange dauert bis dass Krankheiten entstehen, wegen unverantwortlichen Verpaarungen.

Gegen diese Form der Doodle-Zucht kämpfe ich an. Als totaler Liebhaber des Labradoodles, nicht nur wegen seinem Aussehen aber insbesondere wegen seinem tollen Charakter, habe ich mich entschieden die Zucht weiter zu bringen. Dabei geht es aber erstmals um Verpaarungen zu erzielen die sich nicht allein auf das Exterieur des Hundes beschränken, sondern die Wesenseigenschaften und die GESUNDHEIT dieser Designerdogs  fördern. Ich distanziere mich von diesen Hobbyzüchtern die einfach aus egoistischen Ansichten ohne geprüfte Zuchttauglichkeit einfach drauf los züchten. Ich bin kein „gelehrter“ Züchter aber ich bemühe mich in meiner Freizeit mich weiter zu bilden um Kenntnisse zu erwerben zur Genetik, zur Fütterung der Hunde, zur Schulung von meinen erwachsenen Tieren, zur Welpenfrühförderung... Zucht ist ein Ganzes, dazu gehören gesundheitliche, phänotypische, charakterliche Eigenschaften von Elterntieren. Dazu gehört auch Zeit als Besitzer. Zucht bedeutet aber auf eine fördernde Aufzucht der Welpen, die ich als Züchter steuern kann, die aber auch abhängig ist von den Elterntieren. Gestresste und nicht artgerechte gehaltene Elterntieren, Zwingerhunde, Hunde mit denen man kaum Zeit verbringt, weil sie prioritär als Zuchttiere gehalten werden und wenn sie noch so schön sind, ergeben gestresste und schwer erziehbare Welpen. Diese findet man dann leider im Alter von 6 Monaten auf Internetportalen, und meistens gehen diese Züchter dann nicht auf den Weg ihre Zuchtwelpen zurück zu nehmen um sie neu zu vermitteln.

Der gesunde Doodle-Pool steht also ganz am Anfang. Es ist zu diesem Zeitpunkt noch recht schwierig Zuchtziele zu erstellen wie das in der Rassenzucht möglich ist. Die Zuchtziele im Laufe der Jahre sollten sich in eine Vereinheitlichung des Doodles bewegen und verantwortungsvolle Züchter sollten sich zusammen tun: Gesundheit, Wesen, so wie die äußeren Aspekte von Fell, Farben und Größe müssen definiert werden.  Durch die Kreuzung beider Rassen erlangt man eine  hohe genetische Vielfalt und somit eine große Vielfalt  für die erwünschten Zuchtziele. In diesem Sinn erhoffe ich mir dass die Liebhaber von diesem fantastischen Hund sich Gedanken machen, bevor sie sich einen Hybridhund anschaffen und dazu beitragen dass dieser Hund überlebt und seine Rassenanerkennung findet.

 

Emma, Charlottes Schwester, Clea und Charlotte